Alltagseinblicke


Ich liebe Schoko-Cappuccino und mag das Geräusch des zerknisternden Milchschaums. Manchmal reibe ich mit dem Finger über meine Nase oder knibbel an meiner Unterlippe. Ich grummel des Öfteren über mein lichtes Haar und lasse daher nur das Flurlicht ins Bad fallen, damit es nach mehr Fülle aussieht. Vor meinem Bett liegen unzählige Kurzgeschichten, angefangene Romane, Kugelschreiber, Notizen und solche Dinge. Mich nervt es, dass ich so voller Fehler bin – ein Mensch und in der Rolle ein Leben lang gefangen.

Nachts quält mich entweder ein blöder Traum oder Heißhunger. Dann bequeme ich mich in die Küche und mampfe schlaftrunken in heißer Milch geweichte Karamellcornflakes oder ich löffle den Saft einer Waldfruchtmarmelade. Wenn ich mir Obst kaufe, dann nur zu Dekozwecken. Ich nehme mir vor, jede Woche 2-3 mal ins Fitnessstudio zu gehen, raffe mich aber nur zu einem Kurzbesuch auf.
Ich phantasiere gerne zügellos: Wenn ein Flugzeug die Schallmauer durchbricht, höre ich einen Bombeneinschlag. Von der Druckwelle werden Menschen durch die Gegend gewirbelt, klatschen gegen Fenster. Die Gesichter an der Scheibe platt gedrückt.
Von meinen Arbeitskolleginnen werde ich dann gerne gefragt, wem ich da eigentlich winke. Diese phantasielosen Wesen!
Ich zerschneide meistens die Gummibänder an den Socken. Wenn ich mir ungeschälte Kartoffeln in den Salat schnippel, sieht das aus, wie das, was Whousy’s Mama auf den Kompost wirft - sagte der zumindest, nachdem ich ihm ein Schüsselchen voll angeboten hatte. Naja, Hauptsache, mir schmeckt mein Leben.
Wenn ich mir Apfelstrudel fertig gebacken hab, laufe ich mit dem Essen durch die Wohnung und aromatisiere die Räume, bevor ich es mit zwei Bissen verschlinge.
Leuchtet die Nummer von meinem Papa auf dem Display, hebe ich ab und warte darauf, dass er sagt, dass ich doch endlich etwas sagen soll.
Es macht mir Spaß, Tiere in Nahaufnahme zu betrachten: Einen Maikäfer durch einen Tautropfen, oder eine Fliege, wie sie an einem Honigfleck rüsselt.
Menschen beobachten, mit ihnen reden – auch ein Faible von mir. Lese gerne in Augen und das, was zwischen Worten steht.
Falls das jetzt zahm klingt – der Eindruck täuscht. An mir ist nämlich ne ziemliche Zicke verloren gegangen.
 
Ich kann sagen, dass ich meine Persönlichkeit auf oftmals gnadenlose Ehrlichkeit gebaut hab. Aber jetzt irgendwelche Eigenschaften aufzuzählen, die meinem Charakter umreißen, halte ich für wenig aussagekräftig. Schließlich weiß ich nicht, wer diese Zeilen liest und ein jeder empfindet mich anders …

In der Tierwelt ist es doch nicht anders:

Der Lachs empfindet den Hai als todbringend – nicht aber der Wal …
Die Maus sieht in der Katze nichts anderes, als einen fauchenden, zähnefletschenden Tod. Doch durchlebt ein Hund Todesqualen, wenn eine Katze seinen Weg kreuzt?
Ist man also König oder Knecht? Es kommt auf die Begegnung an:
Der Hecht, den ich aus dem Karpfenteich fische, versteht, wovon ich hier rede - nachdem ich ihn ins Haifischbecken geworfen hab …